Grün und Braun

Johann Paul Friedrich Richter sagte bereits im achtzehnten Jahrhundert „Sprachkürze gibt Denkweite“.
Damit ist auch schon alles gesagt.

Dass die jeweilige „Jugend heutzutage“ einen eigenen Sprachgebrauch entwickelt, ist nun wirklich nichts neues mehr. Ich finde es jedoch verwirrend aus dem Munde meines vierundvierzig jährigen Chefs zu hören, dass jemand oder etwas ganz schon braun sei.
Mein Chef ist kein Möchtegern-Hippster. Er ist ein ganz normaler Mitvierziger mit einem ausgeprägten Harmoniebedürfnis und einem stilsicheren, dezenten Modegeschmack. Er könnte stattdessen sagen, dass er jemanden oder erwas ganz schön beschissen findet. Macht es das besser? Vielleicht ist für ihn in diesem Fall die Verwendung der Farbe braun die milder ausgedrückte Version seines Ärgers.

Ich stelle mir oftmals das Gesagte bildlich vor….
So fragt der Stiefsohn in spe einer Freundin die Leute in seiner Umgebung regelmäßig „safe?“, um nochmal sicherzugehen, dass eine ihm gegenüber getätigte Aussage ernst gemeint ist. Automatisch erscheint dann in meinem Kopf ein Bild von einem Safe, weshalb ich immer etwas länger für eine Antwort auf ein „safe?“ brauche.
In der Straßenbahn schnappe ich dann auf, wie ein Junge zu einem anderen sagt, dass es voll grün wäre, wenn sie sich heute verabreden dürfen.
Eine Bekannte aus dem jährlichen Kurzurlaub findet grün total scheisse, also braun.
Ich bin verwirrt.

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