Schlusswort II

„Sie verschwenden Ihre Energie ja gerne an anderen Dingen. Bleiben Sie bei sich.“

Pfft.
Der muss auch nicht immer Recht haben!

Aus dem heutigen Gespräch heraus greife ich mal wieder nach dem Buch Zerrissen zwischen Extremen.
Man glaubt es kaum, aber nach nun fünf Jahren näher ich mich dem Ende.
Nein. Das ist übertrieben.
Ich befinde mich gerade bei Kapitel 9 von 12.

Wut.
Brutstätten von Wut

Die frühen Autoren psychoanalytischer Werke betrachteten das Neugeborene als ‚Tabula Rasa‘ und damit im wahrsten Sinne des Wortes als unbeschriebenes Blatt. Man ging davon aus, dass das Verhalten ausschließlich durch Einflüsse der Umgebung bestimmt wurde. Der wütende Erwachsene war die Frucht des frustrierten Kindes, dessen Bedürfnisse unbefriedigt geblieben waren. Die Vorwürfe  (…) galten konkret und im übertragenen Sinne Mängeln beim Stillen. (…)

Mutter, du hast mich nicht lange genug gestillt.

Verhaltenstherapien wie Linehans DBT führen Aggressionen auf das Versagen emotional reduzierter Bezugspersonen zurück, auf die angeborenen emotionalen Bedürfnisse des Individuums angemessen einzugehen. Das größte Versagen ist wahrscheinlich schwerer körperlicher oder sexueller Missbrauch. Lerntheoretiker betonen, dass Wut ein angelerntes Abwehrverhalten ist, mit dem das Individuum sich schützen will, wenn es sich ausgenutzt fühlt. (…)

Also von der einen Person als Kind zu wenig und von den falschen zuviel gedrückt worden.
Ganz schön einfach.
Gut, dass ich das nun schon länger weiß und endlich aufhören konnte wütend zu sein.
Wenn ich gesagt bekomme, dass ich manchmal etwas an mir habe, dass einem die Sorge bereitet, ich könnte sehr böse werden, dann verletzt mich das. Andererseits… denke ich darüber nach. Ich möchte nicht böse oder wütend sein.
Ich bin froh nicht mehr wütend zu sein.
Nicht mehr so wütend zu sein.
Ich bin ich. Und ich mag mich.
Jeden Tag ein bisschen mehr.
Früher war ich immer wütend.
Heute lache ich lieber.

Intensive Wut war das beständigste Symptom, das nur bei sieben Prozent der Untersuchungsteilnehmer zurückging.

Ha! Ich bin nicht die Regel – ich bin die Ausnahme! Ich bin eine von sieben Prozent!
Ein Grund zu feiern!

Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass das Individuum in manchen Situationen wütend werden muss. (…) Wichtig ist es, dieses Gefühl zu akzeptieren und zu tolerieren. (…)
Wenn die Person sich eine Weile Luft gemacht hat, verraucht ihr Zorn von selbst (…)

Frei nach dem Motto: Wir haben alle mal einen beschissenen Tag!

Und dann sagt mein Therapeut mir, ich benutze Sex um innere Spannungen abzubauen.
Na und? Hinterlässt wenigstens keine Narben.
Und es tut gut.

„Das ist ihr Ritzen. Eigentlich wollen Sie doch etwas ganz anderes.“
-„Ja, klar. Ich bin nur ein einfaches, kleines Mädchen, dass in den Arm genommen werden möchte.“
„Dann lassen Sie das doch mal zu.“
-„Ich versuch’s.“

Nächstes Kapitel.

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