Über grubenmädchen

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2357 Tage später

Hauptsache man hat schon mal angefangen…
Am 18.06.2014 habe ich meinen ersten Artikel geschrieben und veröffentlicht.
Heute, 2359 Tage später, habe ich das Gefühl wieder von vorne anzufangen. Vorgestern ist mir mein Blog wieder in den Sinn gekommen – das ist tatsächlich schon öfter vorgekommen. Doch dieses Mal habe ich mich hingesetzt und mir meine ganzen alten Beiträge durchgelesen.
Und plötzlich frage ich mich, weshalb ich damit aufgehört habe. Ich bin mir wirklich nicht sicher, habe jedoch eine Vermutung:
Es ging mir gut.
Ja, es kristallisierte sich eine Richtung raus und die mochte ich nicht besonders. Und dann ging es mir gut. Es passte irgendwie nicht mehr.
Das schöne an so einem Blog ist ja, dass man nochmal starten kann. Kann man doch, oder?

Es geht mir übrigens noch immer gut. Eigentlich ging es mir auch immer gut. Vielleicht auch eine Frage, wie man den Fokus legt. Ich kann mich besonders gut auf die Dinge konzentrieren, die nicht besonders gut laufen.
Wenn ich das Eine kann, dann auch das andere – oder?

Worauf möchte ich eigentlich hinaus, könnte man sich jetzt fragen. Aber fragt man sich das bei mir nicht sowieso ständig?
1172 Tage. So viele Tage sind seit meinem letzten veröffentlichten Beitrag vergangen. Das sind drei Jahre und etwas mehr als zwei Monate. Ist es nicht erstaunlich, wie schwer es ist sich alle Geschehnisse aus drei Jahren in Erinnerung zu rufen?
Ich kann dir sagen, was ich beruflich gemacht habe. Das ist einfach. Ich war bis zum Frühjahr diesen Jahres die TOP-Vertrieblerin in einem Startup. Eine tolle Zeit!
Ich weiß auch noch, wo meine Tochter vor drei Jahren war. Also ich weiß, dass sie immer eine Woche bei mir lebte und eine Woche bei ihrem Vater. Was hat sie 2017 zu Weihnachten bekommen? Was habe ich ihr 2018 zum Geburtstag geschenkt? Oh, das weiß ich auch noch! Wir waren zwei Tage im Hamburg und haben uns am ersten Abend das Musical kinky boots angesehen. Tolle Zeit!
Außerdem erinnere ich mich an meinen Gesundheitszustand und die Aufdeckung einer Nervenkrankheit, die ich wohl mein ganzes Leben lang schon habe. Das war eine wahre Erleuchtung! So vieles hat sich in meinem Kopf aufgeklärt… ich bin gar kein Trottel, der nur ständig irgendwo gegen rennt! Das hat einen Grund!
Das war jetzt ein Auszug aus den ersten 200 von 1172 Tagen. Wo ist der wirklich wichtige Inhalt? Was ist die Essenz?

Und nun?

Die Phasen in meinem Leben. Ich war ein Kind. Ich war eine Tochter. Ich war die Ungewollte.Ich war die Geschlagene.

Ich war eine Rebellin. Der Abdruck, der nicht in die Form passte. Die Missbrauchte und Missverstandene. Die Verstoßene. Ich war Freundin. Eine Geliebte. Ich war eine Betrogene. Ich war eine Ehefrau. Ich war die junge Schwangere und wurde zu einer Mutter. Ich war die Eingesperrte. Ich war die Ausbrecherin. Ich bin die Geschiedene. Ich war die Alleinerziehende. Die Abbrecherin, die Verzweifelte, die Hörige. Ich war die Jobberin. Ich war die Abhängige. Ich war eine Hure. Ich war ein Miststück. Ich war die Starke. Eine Kämpferin, die zusammenbrach. Ich war die Persönlichkeitsstörung. Ich war die Überraschung und die Bestätigung in einem.

Ich war die Aufgestandene. Ich war eine Veränderung. Ich war die größte Zweiflerin an mir selbst. Ich war eine Hilflose. Ich war die Liebe Suchende. Ich war die Haltlose. Ich war die Verzweifelte. Ich war die Einsame. Ich war die Unbedeutende. Ich war die Sinnsuchende. Ich war das Lustobjekt. Ich war die Feindin. Die Verräterin.  Ich war die Entwicklerin. Ich war eine Auszubildende. Ich war die Arbeiterin. Ich war eine Kampfkatze. Ich war die Träumerin. Die skeptische Optimistin. Ich war die Wunschdenkerin. Ich war eine positive Ausstrahlung. Ich war eine Vertraute. Ich war die Erwachsene. Ich war das Kind. Ich war die Unabhängige. Ich war die Einzelkämpferin.

Und nun? Nach all den Phasen, nach all den Veränderungen, wer bin ich jetzt? Wer will ich sein? Kann ich mir das aussuchen? Was passiert als nächstes?

Bin ich für jemanden etwas wert? Was bin ich mir selbst wert?

Ich möchte die Welt anschreien und gleichzeitig in ihr verschwinden.

Scheideweg. Ist das hier der Himmel oder die Hölle?

Und vorbei…

​Die Zeit fliegt vorbei und mir wird schwindelig wenn ich versuche mich nicht mit der Erde zu drehen, um einfach mal kurz still zu stehen und mich umzusehen. Es fühlt sich an wie der falsche Film oder wie das Wunderland. Und dort fragte Alice den Hasen wie lange für immer ist – „manchmal nur eine Sekunde…“

Ein Wimpernschlag und der Moment ist vorbei. Wie eine Sternschnuppe, die kurz aufleuchtet. Hab ich sie wirklich gesehen? Und was soll die Träumerei?

Die Erde dreht sich weiter. Ich laufe und laufe, damit die Erde unter meinen Füßen sich schneller dreht. Bis es mir wieder egal ist. 

Tag 310

Das Leben durch den Rückspiegel betrachtend , sehe ich alles so klar. Vieles macht plötzlich Sinn und nach vorne ist alles so verschwommen . Was ist wichtig . Was ist mir wichtig ? Wer ist mir wichtig ? Und wem bin ich wichtig ? Dreht sich am Ende alles nur um uns selbst? Sind unsere Spuren nur Spuren im Sand, die der Wind irgendwann einfach weg weht ? Oder hinterlassen wir Male? Brandmale. Wie in Stein gemeißelte Erinnerungen..Sind wir nur Marionetten des nächsten Rudelführers? Oder Marionetten unserer Bedürfnisse? 

Wird noch jemand von uns sprechen , wenn wir gegangen sind? Oder wird es einfach mucksmäuschenstill?

Ich weiß nur , dass die Erde sich weiter drehen wird.

Tag 248

Beim Spaziergang greife ich nach der Hand meiner Vierzehnjährigen. Als ich an ihr Alter denke, frage ich: „Ist dir das peinlich?“ „Nein Mama, hier kennt mich doch kein Schwein.“ „Also wäre es peinlich wenn du hier Schweine kennen würdest? Oder Menschen?“ „Nö. Meine Freunde wissen alle wie sehr ich dich liebe…“

Mitten ins Herz. Einfach so. Nebenbei. 

Entscheidungen und Ängste

Ich drehe mich. Auf dem Pferd. Auf dem Zirkuspferd, das auf einem Karussell stolz starr nach vorne schaut. Ich schaue nicht starr nach vorne. Vielleicht sollte ich das. Vielleicht blicke ich zu oft zurück. Vielleicht beachte ich Nichtigkeiten. Vielleicht ist es viel leichter vielleicht. Ich kann meine Arme ausstrecken und fühlen, wie stark der Wind sein kann. Ich möchte fliegen und habe Angst zu fallen. Ich brauche ein Lachen. Ich brauche Hände, die mich festhalten. 

Da sind aber keine Hände. Also nimmt meine rechte Hand meine linke Hand und ich entscheide mich. Aufstehen, vor den Spiegel stellen und: Lachen! 

Montagabend 28/52

Das Einzige, was mich gerade davon abhält lachend durch den Regen zu tanzen, ist eine hartnäckige Grippe.
Und der Regen, der ausnahmsweise mal nicht fällt.

Noch vor ein paar Wochen hätte ich nur über das negative nachgedacht. Darüber, dass der Mann, in den ich mich während einer unsinnigen Affäre verliebt habe, mich nichtmal mehr ansehen kann. Darüber, dass ich nicht weiß warum das so ist. Darüber, dass ich mich einer Frau anvertraut habe, die einsamer ist als ich und trotzdem nur an sich selbst denkt. Darüber, dass ich einen tollen Mann kennengelernt habe, der mich einfach nicht umhaut. Darüber, dass ich noch immer in diesem langweiligen Dorf hänge. Darüber, dass ich von meiner pubertierenden Tochter genervt bin.
Darüber, dass mir langweilig ist…

Was hat sich geändert?
Ich habe etwas Sonne getankt und wieder das Lachen gelernt.
Das Leben ist einfach schön. Zu leben ist schön.
Was sich dieses Jahr bisher ergeben hat, was alles passiert ist und noch passiert, ist einfach überragend.
Es scheint wirklich so, dass alles immer positiv zurück kommt je positiver ich in die Welt raus gehe.
Letzten Donnerstag saß ich in einem Seminar zum Thema Zeitmanagement. Der Referent gab uns folgendes mit:
Es ist nicht immer wichtig effizient zu sein. Viel wichtiger ist zunächst die Effektivität. Und es ist wirklich wichtig was ich mache?
Ich habe keine Lust mehr mich aufzuregen.
Das ist Zeitverschwendung.
Elf Tage in Bulgarien mit einer dreiundzwanzig jährigen, ernsten und sehr braven Frau haben mich verändert. Ich habe soviel gelernt. Über mich und auch zwischenmenschlich.

Noch viermal schlafen, dann geht es wieder in den Urlaub. Sommer, Sonne, Strand und Meer.
Mir geht’s gut.
Und ich muss keinem hinterher laufen, der mich nicht will.
2016 ist mein Jahr!

Ich werde dieses Jahr noch lachend im Regen tanzen!

Schlusswort III

Meine Zeit beginnt.
Wie immer setze ich mich auf meinen gewohnten Platz und sehe in die fragenden Augen.
„Und?“ ,fragt er.
„Alles super, außer den Kerlen.“ , antworte ich lachend.
„Das können wir ja als Überschrift für ihr Leben nehmen.“

Meine fünfundfünzig Minuten sind um und er sagt:

„Alles super, außer den Kerlen.“, und lacht.

Wir sehen uns erst in zehn Wochen wieder. So langsam rückt der Abschied näher…

Montagabend 15/52

Neue Woche.
Neues Glück.

Gestern Abend war ich auf einer Lesung von Michael Nast.
Er hat aus seinem Buch Generation Beziehungsunfähig verschiedene Kapitel vorgelesen.
Im Grunde genommen ging es um die Einstellung unserer Generation. Die Generation X. Die, die alle etwas besonderes sind und sich auch nur mit dem Besonderen zufrieden geben. Eine Wegwerfgesellschaft. Die Auswahl ist zu groß und insgeheim wartet jeder darauf, ob hinter der nächsten Abzweigung nicht doch noch der etwas bessere Partner auf einen wartet.
Wir vergleichen und wollen uns nur noch selbst verwirklichen.
Hauptsache ich sein.
Es geht aber doch ums wir.
Es geht darum gegenseitig aneinander zu wachsen. Den Partner als Spiegel zu betrachten. Sich selbst durch den anderen kennenzulernen.

Nun… der Michael hat das ganz lustig vorgetragen.
Alle lachen.
Ich denke darüber nach. Wie ist es in meinem Umfeld?
Suchen wir tatsächlich immer nach dem noch besseren?
Und was zählt wirklich?

Es ist besser allein zu sein, als mit jemandem zusammen zu sein, der einem das Gefühl gibt, allein zu sein.

Im Sommer 2014 sagte ich zu einer Freundin, dass ich lieber unglücklich verliebt wäre, als gar nichts für irgendjemanden zu empfinden. Ich weiß noch, wie leer ich mich fühlte.
Lange hat das dann ja auch nicht mehr gedauert.
Die Kraft der Gedanken.
Und es war für jeden von vornherein klar: das wird nix.
Es wurde nix.

Ich bin zu sehr versaut von Walt Disney.
Wann ist das kennenlernen und sich gegenseitig füreinander begeistern so schwer geworden?