Tag 310

Das Leben durch den Rückspiegel betrachtend , sehe ich alles so klar. Vieles macht plötzlich Sinn und nach vorne ist alles so verschwommen . Was ist wichtig . Was ist mir wichtig ? Wer ist mir wichtig ? Und wem bin ich wichtig ? Dreht sich am Ende alles nur um uns selbst? Sind unsere Spuren nur Spuren im Sand, die der Wind irgendwann einfach weg weht ? Oder hinterlassen wir Male? Brandmale. Wie in Stein gemeißelte Erinnerungen..Sind wir nur Marionetten des nächsten Rudelführers? Oder Marionetten unserer Bedürfnisse? 

Wird noch jemand von uns sprechen , wenn wir gegangen sind? Oder wird es einfach mucksmäuschenstill?

Ich weiß nur , dass die Erde sich weiter drehen wird.

Tag 248

Beim Spaziergang greife ich nach der Hand meiner Vierzehnjährigen. Als ich an ihr Alter denke, frage ich: „Ist dir das peinlich?“ „Nein Mama, hier kennt mich doch kein Schwein.“ „Also wäre es peinlich wenn du hier Schweine kennen würdest? Oder Menschen?“ „Nö. Meine Freunde wissen alle wie sehr ich dich liebe…“

Mitten ins Herz. Einfach so. Nebenbei. 

Montagabend 28/52

Das Einzige, was mich gerade davon abhält lachend durch den Regen zu tanzen, ist eine hartnäckige Grippe.
Und der Regen, der ausnahmsweise mal nicht fällt.

Noch vor ein paar Wochen hätte ich nur über das negative nachgedacht. Darüber, dass der Mann, in den ich mich während einer unsinnigen Affäre verliebt habe, mich nichtmal mehr ansehen kann. Darüber, dass ich nicht weiß warum das so ist. Darüber, dass ich mich einer Frau anvertraut habe, die einsamer ist als ich und trotzdem nur an sich selbst denkt. Darüber, dass ich einen tollen Mann kennengelernt habe, der mich einfach nicht umhaut. Darüber, dass ich noch immer in diesem langweiligen Dorf hänge. Darüber, dass ich von meiner pubertierenden Tochter genervt bin.
Darüber, dass mir langweilig ist…

Was hat sich geändert?
Ich habe etwas Sonne getankt und wieder das Lachen gelernt.
Das Leben ist einfach schön. Zu leben ist schön.
Was sich dieses Jahr bisher ergeben hat, was alles passiert ist und noch passiert, ist einfach überragend.
Es scheint wirklich so, dass alles immer positiv zurück kommt je positiver ich in die Welt raus gehe.
Letzten Donnerstag saß ich in einem Seminar zum Thema Zeitmanagement. Der Referent gab uns folgendes mit:
Es ist nicht immer wichtig effizient zu sein. Viel wichtiger ist zunächst die Effektivität. Und es ist wirklich wichtig was ich mache?
Ich habe keine Lust mehr mich aufzuregen.
Das ist Zeitverschwendung.
Elf Tage in Bulgarien mit einer dreiundzwanzig jährigen, ernsten und sehr braven Frau haben mich verändert. Ich habe soviel gelernt. Über mich und auch zwischenmenschlich.

Noch viermal schlafen, dann geht es wieder in den Urlaub. Sommer, Sonne, Strand und Meer.
Mir geht’s gut.
Und ich muss keinem hinterher laufen, der mich nicht will.
2016 ist mein Jahr!

Ich werde dieses Jahr noch lachend im Regen tanzen!

Schlusswort III

Meine Zeit beginnt.
Wie immer setze ich mich auf meinen gewohnten Platz und sehe in die fragenden Augen.
„Und?“ ,fragt er.
„Alles super, außer den Kerlen.“ , antworte ich lachend.
„Das können wir ja als Überschrift für ihr Leben nehmen.“

Meine fünfundfünzig Minuten sind um und er sagt:

„Alles super, außer den Kerlen.“, und lacht.

Wir sehen uns erst in zehn Wochen wieder. So langsam rückt der Abschied näher…

Montagabend 15/52

Neue Woche.
Neues Glück.

Gestern Abend war ich auf einer Lesung von Michael Nast.
Er hat aus seinem Buch Generation Beziehungsunfähig verschiedene Kapitel vorgelesen.
Im Grunde genommen ging es um die Einstellung unserer Generation. Die Generation X. Die, die alle etwas besonderes sind und sich auch nur mit dem Besonderen zufrieden geben. Eine Wegwerfgesellschaft. Die Auswahl ist zu groß und insgeheim wartet jeder darauf, ob hinter der nächsten Abzweigung nicht doch noch der etwas bessere Partner auf einen wartet.
Wir vergleichen und wollen uns nur noch selbst verwirklichen.
Hauptsache ich sein.
Es geht aber doch ums wir.
Es geht darum gegenseitig aneinander zu wachsen. Den Partner als Spiegel zu betrachten. Sich selbst durch den anderen kennenzulernen.

Nun… der Michael hat das ganz lustig vorgetragen.
Alle lachen.
Ich denke darüber nach. Wie ist es in meinem Umfeld?
Suchen wir tatsächlich immer nach dem noch besseren?
Und was zählt wirklich?

Es ist besser allein zu sein, als mit jemandem zusammen zu sein, der einem das Gefühl gibt, allein zu sein.

Im Sommer 2014 sagte ich zu einer Freundin, dass ich lieber unglücklich verliebt wäre, als gar nichts für irgendjemanden zu empfinden. Ich weiß noch, wie leer ich mich fühlte.
Lange hat das dann ja auch nicht mehr gedauert.
Die Kraft der Gedanken.
Und es war für jeden von vornherein klar: das wird nix.
Es wurde nix.

Ich bin zu sehr versaut von Walt Disney.
Wann ist das kennenlernen und sich gegenseitig füreinander begeistern so schwer geworden?

Montagmorgen 14/52

Eine Linie.
Eine rote Linie.
Die Linie, die den Kreis der Gewohnheit anzeigt.
Verhaltensmuster, die sich immer wiederholen.
Ich will sie überschreiten.
Stehe davor.
Meine Füße reagieren nicht auf den Befehl aus meinem Gehirn.
Mein ganzer Körper reagiert nicht.
Nichts funktioniert mehr so wie vorher.
Die Erde hat sich gedreht.
Meine Welt hat sich gedreht.
Ich bin stehen geblieben.
Dann falle ich.
Immer weiter und weiter.
Oder fliege ich?

Tag 80

Zurück.
Ich möchte immer wieder zurück.
Plötzlich fällt mir auf, was für ein Irrsinn das ist.
Man kann die Zeit nicht zurück drehen.

„Gibt es was Neues bei dir?“
-„Nein, eigentlich nicht.“
„Und ist das gut oder schlecht?“
-„Ich weiß es nicht. Ich stagniere.“

Ist das gut oder schlecht?
Schwarz oder weiß.
Es ist.
Ohne Wertung.

Montagmorgen 13/52

Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden…

Dieser Titel hat mich so lange beschäftigt, dass ich mir das Buch nach einer Woche gekauft habe.
Weit gekommen bin ich noch nicht und es ist jetzt das dritte angefange Buch, das hier liegt.
Zu viele Baustellen, zu viele Gedanken.
Wovon reden wir, wenn wir von Liebe reden?
Wovon reden wir überhaupt?
Was ist  wichtig?
Ist es die Liebe?
Ist es das Glück?
Was bedeutet Glück?
Und was mich viel mehr beschäftigt:
Wann bin ich glücklich?

Da gebe ich mir soviel Mühe meiner Tochter zu zeigen wie schön das Leben ist – und kann mir diese so simple erscheinende Frage einfach nicht beantworten.

Bin ich gerade glücklich?
Ich bin jedenfalls nicht unglücklich.
Es geht mir gut.

Montagmorgen 12/52

Gestern abend kam ich an einer Bank vorbei. Eine Bank, die schon seit Ewigkeiten dort steht. Vermutlich bin ich schon tausend mal an ihr vorbei gelaufen ohne sie überhaupt richtig wahrzunehmen.
So ändern sich die Dinge.
Tag für Tag.
Ein ewiges hin und her des Lebens.

Ich möchte sie malen. Das Bild zerreißen und wegwerfen.
Und ich möchte verdammt nochmal hier raus.
Raus aus meinem Kopf und weg von diesen niederschmetternd Gedanken.
Ich lache viel lieber.

Wenn sich in zwölf Wochen soviel verändert, dreht und neu sortiert – wie wird es wohl nach zweiundfünfzig sein?

We will see…