Und vorbei…

​Die Zeit fliegt vorbei und mir wird schwindelig wenn ich versuche mich nicht mit der Erde zu drehen, um einfach mal kurz still zu stehen und mich umzusehen. Es fühlt sich an wie der falsche Film oder wie das Wunderland. Und dort fragte Alice den Hasen wie lange für immer ist – „manchmal nur eine Sekunde…“

Ein Wimpernschlag und der Moment ist vorbei. Wie eine Sternschnuppe, die kurz aufleuchtet. Hab ich sie wirklich gesehen? Und was soll die Träumerei?

Die Erde dreht sich weiter. Ich laufe und laufe, damit die Erde unter meinen Füßen sich schneller dreht. Bis es mir wieder egal ist. 

Tag 310

Das Leben durch den Rückspiegel betrachtend , sehe ich alles so klar. Vieles macht plötzlich Sinn und nach vorne ist alles so verschwommen . Was ist wichtig . Was ist mir wichtig ? Wer ist mir wichtig ? Und wem bin ich wichtig ? Dreht sich am Ende alles nur um uns selbst? Sind unsere Spuren nur Spuren im Sand, die der Wind irgendwann einfach weg weht ? Oder hinterlassen wir Male? Brandmale. Wie in Stein gemeißelte Erinnerungen..Sind wir nur Marionetten des nächsten Rudelführers? Oder Marionetten unserer Bedürfnisse? 

Wird noch jemand von uns sprechen , wenn wir gegangen sind? Oder wird es einfach mucksmäuschenstill?

Ich weiß nur , dass die Erde sich weiter drehen wird.

Entscheidungen und Ängste

Ich drehe mich. Auf dem Pferd. Auf dem Zirkuspferd, das auf einem Karussell stolz starr nach vorne schaut. Ich schaue nicht starr nach vorne. Vielleicht sollte ich das. Vielleicht blicke ich zu oft zurück. Vielleicht beachte ich Nichtigkeiten. Vielleicht ist es viel leichter vielleicht. Ich kann meine Arme ausstrecken und fühlen, wie stark der Wind sein kann. Ich möchte fliegen und habe Angst zu fallen. Ich brauche ein Lachen. Ich brauche Hände, die mich festhalten. 

Da sind aber keine Hände. Also nimmt meine rechte Hand meine linke Hand und ich entscheide mich. Aufstehen, vor den Spiegel stellen und: Lachen! 

Montagmorgen 14/52

Eine Linie.
Eine rote Linie.
Die Linie, die den Kreis der Gewohnheit anzeigt.
Verhaltensmuster, die sich immer wiederholen.
Ich will sie überschreiten.
Stehe davor.
Meine Füße reagieren nicht auf den Befehl aus meinem Gehirn.
Mein ganzer Körper reagiert nicht.
Nichts funktioniert mehr so wie vorher.
Die Erde hat sich gedreht.
Meine Welt hat sich gedreht.
Ich bin stehen geblieben.
Dann falle ich.
Immer weiter und weiter.
Oder fliege ich?

Tag 80

Zurück.
Ich möchte immer wieder zurück.
Plötzlich fällt mir auf, was für ein Irrsinn das ist.
Man kann die Zeit nicht zurück drehen.

„Gibt es was Neues bei dir?“
-„Nein, eigentlich nicht.“
„Und ist das gut oder schlecht?“
-„Ich weiß es nicht. Ich stagniere.“

Ist das gut oder schlecht?
Schwarz oder weiß.
Es ist.
Ohne Wertung.

Interpretationen

Es ist wie es ist.

Ich schließe meine Augen.
Den Kopf auf deiner Brust.
Höre deinen Herzschlag.
Rieche deinen Körperduft.
„Was machst du da?“
-„Kuscheln.“

Es ist wie es ist.

Wir nehmen unsere Momente wahr.
Jeder für sich.
Es war unser Moment.
Jedoch nur für mich.

Es ist wie es ist.
Wir sind uns nah.
Und irgendwie auch nicht.

Es ist wie es ist.

Montagmorgen 10/52

Man sagt, nach dem Regen scheint die Sonne wieder besonders hell.

Heute ist wieder so ein Tag.
Ich bin traurig. Oder nicht?
Ich bin wütend. Oder nicht?
Eigentlich bin ich gar nichts.
Leer.
Nackt und leer.
Was geht in mir vor? Nix.
Ich versuche positiv zu denken, aber es langweilt mich.
Negativ langweilt mich auch.
Also höre ich auf damit.
Höre auf zu denken.
Morgen scheint sicher wieder die Sonne.
Ich glaube fest daran.
Und heute?

Vielleicht schaffe ich es noch in meinem Regen zu tanzen.

Montagmorgen 8/52

„Ich möchte dich gerne sehen…“

So ein einfacher Satz.
Wann ich den zuletzt selbst gesagt habe, weiß ich ganz genau.
Was ich nicht weiß: wann genau habe ich diesen Satz das letzte Mal gehört?
Habe ich ihn überhaupt mal gehört?

Es gibt viele Arten, jemandem zu sagen, dass man einem wichtig ist, etwas bedeutet. „Fahr vorsichtig“, „iss deinen Apfel“, „Pass auf dich auf“,…
Ist es das gleiche bei dem Wunsch jemanden zu sehen?
Ein vorwurfsvolles „Du hast ja nie Zeit“ sagt doch am Ende das gleiche aus. 
Assoziiert man dadurch ein „Ich möchte dich gerne sehen…“ automatisch mit Negativem? Ist es nicht vielmehr eine schöne Aussage, als ein Vorwurf?

Ich freue mich darüber, wenn Menschen mit mir Zeit verbringen wollen.

Vermutlich vermisst mich niemand, weil ich immer so präsent bin.
Ich bin ja hier.

Obwohl niemand sagen kann, wie lange noch…
Ich schweife ab…

Vulkan des Herzens

Nie schmeckt ein Mädchen einen Kuss, dass sich nicht nach einem zweiten sehnte. – Goethe

Mein Kopf ist voll…voll von Tagträumereien… Nachtträumereien…

Eine Hand an meinem Gesicht; der Daumen, der über meine Lippen streift.
Der Mund, der sich meinem nähert…
Ich spüre den Atem auf meiner Haut..
Warmer Atem, vertraut und wohlig.
Hände, die sich um meine Hüfte legen, um mich näher ranzuziehen.
Eine Stimme, die an meinem Hals flüstert: „Komm, wir gehen ins Bett…“

Den Schlaf noch nicht ganz abgeschüttelt, die Augen noch geschlossen, erinnere ich mich.
Ein Lächeln auf meinem Gesicht…
„Küss mich…“
Dann wache ich auf.

Nur ein Traum.
Ein angefangener Traum.

Komm mich in der nächsten Nacht wieder besuchen, schöner Traum.

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Worte ohne Kraft…

Es gab keine worte mehr. Wir hatten sie alle verschwendet…

Was bleibt also noch?
Nur weil man nicht sagen kann, was man wirklich denkt, fühlt… gibt es dann wirklich keine Worte mehr?
Kann man es wirklich nicht sagen, nur weil man weiß, dass es dein Gegenüber nicht hören will?
Kann man an ungesagten Worten ersticken?
Worte… es sind nur Worte…
Keine Zauberkraft. Es ändert nichts.

In vino veritas…
Erkenne ich die Wahrheit?
Wenn ich jemanden einmal hinter die Maske blicken lasse, erkennt er dann die Wahrheit?
Siehst du mich…?

Ich will wieder zurück.. ich will kein verletzliches, kleines Mädchen sein, dass sich nicht unter Kontrolle hat…
Ich kenne dich…
Ja..
Dennoch…
So funktioniert das nicht.
Ich behalte die Worte für mich.