Entscheidungen und Ängste

Ich drehe mich. Auf dem Pferd. Auf dem Zirkuspferd, das auf einem Karussell stolz starr nach vorne schaut. Ich schaue nicht starr nach vorne. Vielleicht sollte ich das. Vielleicht blicke ich zu oft zurück. Vielleicht beachte ich Nichtigkeiten. Vielleicht ist es viel leichter vielleicht. Ich kann meine Arme ausstrecken und fühlen, wie stark der Wind sein kann. Ich möchte fliegen und habe Angst zu fallen. Ich brauche ein Lachen. Ich brauche Hände, die mich festhalten. 

Da sind aber keine Hände. Also nimmt meine rechte Hand meine linke Hand und ich entscheide mich. Aufstehen, vor den Spiegel stellen und: Lachen! 

Schlusswort III

Meine Zeit beginnt.
Wie immer setze ich mich auf meinen gewohnten Platz und sehe in die fragenden Augen.
„Und?“ ,fragt er.
„Alles super, außer den Kerlen.“ , antworte ich lachend.
„Das können wir ja als Überschrift für ihr Leben nehmen.“

Meine fünfundfünzig Minuten sind um und er sagt:

„Alles super, außer den Kerlen.“, und lacht.

Wir sehen uns erst in zehn Wochen wieder. So langsam rückt der Abschied näher…

Tag 80

Zurück.
Ich möchte immer wieder zurück.
Plötzlich fällt mir auf, was für ein Irrsinn das ist.
Man kann die Zeit nicht zurück drehen.

„Gibt es was Neues bei dir?“
-„Nein, eigentlich nicht.“
„Und ist das gut oder schlecht?“
-„Ich weiß es nicht. Ich stagniere.“

Ist das gut oder schlecht?
Schwarz oder weiß.
Es ist.
Ohne Wertung.

Montagmorgen 12/52

Gestern abend kam ich an einer Bank vorbei. Eine Bank, die schon seit Ewigkeiten dort steht. Vermutlich bin ich schon tausend mal an ihr vorbei gelaufen ohne sie überhaupt richtig wahrzunehmen.
So ändern sich die Dinge.
Tag für Tag.
Ein ewiges hin und her des Lebens.

Ich möchte sie malen. Das Bild zerreißen und wegwerfen.
Und ich möchte verdammt nochmal hier raus.
Raus aus meinem Kopf und weg von diesen niederschmetternd Gedanken.
Ich lache viel lieber.

Wenn sich in zwölf Wochen soviel verändert, dreht und neu sortiert – wie wird es wohl nach zweiundfünfzig sein?

We will see…

Montagmorgen 11/52

Eine interessante Woche ist vorbei und die nächste geht nun los.
Heute finde ich meine Worte nicht.
Es fühlt sich an, nicht anzukommen.
Ich trete auf der Stelle.
Verbal.
Körperlich.
Gedanklich.
Als hätte jemand auf ‚Pause‘ gedrückt.
Und dennoch läuft die Zeit weiter.

Mein Blick fällt auf die Karte.
Ich höre nicht auf anzufangen!
Die Pause kann ich nutzen.
Dann nehme ich Anlauf.
Play.
Das Leben geht weiter.

Eigentlich motiviert mich die Karte.
Aber das Gesetz der Anziehung sagt, dass Leben versteht kein ’nicht‘ oder ’nie‘.
Steht da also für das Universum Fang an, aufzuhören, höre auf, anzufangen?

Hmm…

image

Schlusswort II

„Sie verschwenden Ihre Energie ja gerne an anderen Dingen. Bleiben Sie bei sich.“

Pfft.
Der muss auch nicht immer Recht haben!

Aus dem heutigen Gespräch heraus greife ich mal wieder nach dem Buch Zerrissen zwischen Extremen.
Man glaubt es kaum, aber nach nun fünf Jahren näher ich mich dem Ende.
Nein. Das ist übertrieben.
Ich befinde mich gerade bei Kapitel 9 von 12.

Wut.
Brutstätten von Wut

Die frühen Autoren psychoanalytischer Werke betrachteten das Neugeborene als ‚Tabula Rasa‘ und damit im wahrsten Sinne des Wortes als unbeschriebenes Blatt. Man ging davon aus, dass das Verhalten ausschließlich durch Einflüsse der Umgebung bestimmt wurde. Der wütende Erwachsene war die Frucht des frustrierten Kindes, dessen Bedürfnisse unbefriedigt geblieben waren. Die Vorwürfe  (…) galten konkret und im übertragenen Sinne Mängeln beim Stillen. (…)

Mutter, du hast mich nicht lange genug gestillt.

Verhaltenstherapien wie Linehans DBT führen Aggressionen auf das Versagen emotional reduzierter Bezugspersonen zurück, auf die angeborenen emotionalen Bedürfnisse des Individuums angemessen einzugehen. Das größte Versagen ist wahrscheinlich schwerer körperlicher oder sexueller Missbrauch. Lerntheoretiker betonen, dass Wut ein angelerntes Abwehrverhalten ist, mit dem das Individuum sich schützen will, wenn es sich ausgenutzt fühlt. (…)

Also von der einen Person als Kind zu wenig und von den falschen zuviel gedrückt worden.
Ganz schön einfach.
Gut, dass ich das nun schon länger weiß und endlich aufhören konnte wütend zu sein.
Wenn ich gesagt bekomme, dass ich manchmal etwas an mir habe, dass einem die Sorge bereitet, ich könnte sehr böse werden, dann verletzt mich das. Andererseits… denke ich darüber nach. Ich möchte nicht böse oder wütend sein.
Ich bin froh nicht mehr wütend zu sein.
Nicht mehr so wütend zu sein.
Ich bin ich. Und ich mag mich.
Jeden Tag ein bisschen mehr.
Früher war ich immer wütend.
Heute lache ich lieber.

Intensive Wut war das beständigste Symptom, das nur bei sieben Prozent der Untersuchungsteilnehmer zurückging.

Ha! Ich bin nicht die Regel – ich bin die Ausnahme! Ich bin eine von sieben Prozent!
Ein Grund zu feiern!

Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass das Individuum in manchen Situationen wütend werden muss. (…) Wichtig ist es, dieses Gefühl zu akzeptieren und zu tolerieren. (…)
Wenn die Person sich eine Weile Luft gemacht hat, verraucht ihr Zorn von selbst (…)

Frei nach dem Motto: Wir haben alle mal einen beschissenen Tag!

Und dann sagt mein Therapeut mir, ich benutze Sex um innere Spannungen abzubauen.
Na und? Hinterlässt wenigstens keine Narben.
Und es tut gut.

„Das ist ihr Ritzen. Eigentlich wollen Sie doch etwas ganz anderes.“
-„Ja, klar. Ich bin nur ein einfaches, kleines Mädchen, dass in den Arm genommen werden möchte.“
„Dann lassen Sie das doch mal zu.“
-„Ich versuch’s.“

Nächstes Kapitel.

Montagmorgen 10/52

Man sagt, nach dem Regen scheint die Sonne wieder besonders hell.

Heute ist wieder so ein Tag.
Ich bin traurig. Oder nicht?
Ich bin wütend. Oder nicht?
Eigentlich bin ich gar nichts.
Leer.
Nackt und leer.
Was geht in mir vor? Nix.
Ich versuche positiv zu denken, aber es langweilt mich.
Negativ langweilt mich auch.
Also höre ich auf damit.
Höre auf zu denken.
Morgen scheint sicher wieder die Sonne.
Ich glaube fest daran.
Und heute?

Vielleicht schaffe ich es noch in meinem Regen zu tanzen.

Montagmorgen 9/52

Faktor Zeit.

Andere Menschen lesen morgens eine Zeitung (oder mehrere), ich lese Blogs.
Nicht jeden Morgen, aber an solchen wie heute. Wenn ich meine Gedanken sortieren will. Oft hilft es mir wenn ich vorher einfach meine Gedanken auf etwas anderes bringe.
Heute morgen lese ich also die Artikel der Menschen, denen ich virtuell folge.
An dritter Stelle kam der letzte neue Beitrag von sinnsucht. Der Titel hat mich schon amüsiert und angelockt.
Weltuntergang.
(Ich weiß gar nicht wonach ich meine Titel immer aussuche.)
Worauf ich aber eigentlich hinaus will:
Die Kommentare!
Wenn der Artikel selbst mir schon sehr gefallen hat, interessieren mich auch immer die Kommentare darunter.

Ich habe neulich ein Comic-Bild gesehen: Zwei Menschen sitzen auf einer Bank. Die eine Person sagt: “Eines Tages werden wir sterben.” Die andere antwortet: “Aber bis dahin werden wir jeden Tag leben.”

Das mag ich.
Wie war das nochmal..? Frau B. 2.0 ?
Ich mag meine neue positive Einstellung!
Auf in die neue Woche…
Diese Woche möchte ich mir Zeit für mich nehmen. Mich zurück lehnen und einfach sein.