Neues Jahr, altes Ich

Erster.
Wir fangen wieder von vorne an.
Das letzte Jahr hatte so viel Gutes. Ich habe viel erreicht und viel gelernt.
Vor allem über mich selbst.
Unbeschwertheit macht mir Spaß, Ungewissheit überhaupt nicht.
Ich mag Wein und ich liebe das Leben.
Mein Wohlbefinden ist nicht abhängig von anderen Menschen und ich kann alles schaffen – außer fliegen.

Manchmal möchte ich in Luft springen und einfach weg fliegen. Wie ein kleiner Schmetterling.
Also alles wie immer….
Nur die Farbe und Form der Fingernägel hat sich verändert.

Äußerlichkeiten, nichts als Äußerlichkeiten.
Also wieder von vorne.

Der Anfang

Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird, zu leben. Marc Aurel.

„Schreib´ doch mal ein Buch!“ oder „Du solltest ein Buch schreiben!“ sagen sie zu mir. Ich dachte mir, fangen wir erst mal klein an….
Nachdem ich in den letzten Jahren mehrfach darüber nachgedacht habe, – voila – habe ich nun einen eigenen Blog.

Ich lebe, definitiv. Ich atme, esse, trinke und was ein lebender Mensch halt alles so macht. Hätte ich das ein oder andere Mal eine andere Abzweigung genommen, sähe heute alles anders aus. Aber bei wem ist das nicht der Fall.

Mit meinen einunddreißig Jahren fühle ich mich weder alt noch jung, viel mehr mittendrin. Mitten im Geschehen. Meine Zukunft plane ich selten ein Jahr im Voraus, denn wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass es eh alles anders kommt.
Vor ein paar Wochen hätte ich nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, dass ich heute mit einem Glas Rotwein und einer Zigarette vor meinem Notebook sitze und überlege mit welchen Zeilen ich meinen Blog eröffne.
Zukunft wird sowieso viel zu sehr überbewertet! Im Alter von siebzehn Jahren stellte ich mir vor, mit dreißig in einem schönen kleinen Haus zu wohnen. Mit einem Garten, der genau die gleiche Fläche hat, wie das Haus selbst. Dabei habe ich gar kein Händchen für Gartenarbeit. Bis vor ein paar Jahren kam meine Mutter immer wieder mit Pflanzen zu mir, die bei mir alle einen grausamen Tod gestorben sind. Ich müsste also einen Gärtner haben. Aber nicht irgendeinen Gärtner, nein, einen Gärtner wie aus der ersten Staffel von Desperate Housewives. So läuft das allerdings nur in amerikanischen Fernsehserien. Heute sitze ich in einer Eigentumswohnung mit Gemeinschaftsgarten und die Wohnung gehört nichtmal mir selbst, sondern meinen Eltern.
Sie haben diese Wohnung für mich gekauft, sagten sie. Für mich, damit ich nicht aus diesem kleinen Dorf weg ziehe.
Na gut, wenn sie so nett sind, dann bleib ich halt. In einem Dorf, in dem jeder über jeden alles weiß oder glaubt zu wissen und keiner den anderen wirklich kennt. Das ist jedoch nur meine Sichtweise. Viele sind auch miteinander verwandt – manchmal denke ich vier fünftel der Einwohner sind ein riesiger Familien-Clan. Die Familien, die nicht miteinander verwandt sind, heiraten sich einfach zusammen. Und schon entsteht ein noch riesiger Haufen.
Ich war schon immer hier. Jedenfalls fühlt es sich so an. Die Ureinwohner wissen allerdings, dass ich ein Immi bin. Wahrscheinlich schon alleine aus dem Grund, dass ich hier nicht alle meine Verwandten um mich herum habe.
Ein Haus möchte ich heute nicht mehr haben. Ich möchte mir das Gefühl erhalten gehen zu können. Der Gedanke „egal wo du gerade bist – du musst dort nicht bleiben“ beruhigt mich irgendwie.