Tag 310

Das Leben durch den Rückspiegel betrachtend , sehe ich alles so klar. Vieles macht plötzlich Sinn und nach vorne ist alles so verschwommen . Was ist wichtig . Was ist mir wichtig ? Wer ist mir wichtig ? Und wem bin ich wichtig ? Dreht sich am Ende alles nur um uns selbst? Sind unsere Spuren nur Spuren im Sand, die der Wind irgendwann einfach weg weht ? Oder hinterlassen wir Male? Brandmale. Wie in Stein gemeißelte Erinnerungen..Sind wir nur Marionetten des nächsten Rudelführers? Oder Marionetten unserer Bedürfnisse? 

Wird noch jemand von uns sprechen , wenn wir gegangen sind? Oder wird es einfach mucksmäuschenstill?

Ich weiß nur , dass die Erde sich weiter drehen wird.

Tag 80

Zurück.
Ich möchte immer wieder zurück.
Plötzlich fällt mir auf, was für ein Irrsinn das ist.
Man kann die Zeit nicht zurück drehen.

„Gibt es was Neues bei dir?“
-„Nein, eigentlich nicht.“
„Und ist das gut oder schlecht?“
-„Ich weiß es nicht. Ich stagniere.“

Ist das gut oder schlecht?
Schwarz oder weiß.
Es ist.
Ohne Wertung.

Montagmorgen 12/52

Gestern abend kam ich an einer Bank vorbei. Eine Bank, die schon seit Ewigkeiten dort steht. Vermutlich bin ich schon tausend mal an ihr vorbei gelaufen ohne sie überhaupt richtig wahrzunehmen.
So ändern sich die Dinge.
Tag für Tag.
Ein ewiges hin und her des Lebens.

Ich möchte sie malen. Das Bild zerreißen und wegwerfen.
Und ich möchte verdammt nochmal hier raus.
Raus aus meinem Kopf und weg von diesen niederschmetternd Gedanken.
Ich lache viel lieber.

Wenn sich in zwölf Wochen soviel verändert, dreht und neu sortiert – wie wird es wohl nach zweiundfünfzig sein?

We will see…

Tag 57 – Was war das?

Daggie hat wieder eingeladen.
Essen, trinken, lachen: Der Abend der guten Eigenschaften!

Knapp zwanzig Menschen haben sich um den Tisch in einem kleinen Kunstcafé versammelt. Jeder hat Zettel und einen Stift dabei.
Jemand steht auf und stellt sich vor. Währenddessen oder direkt nach der Vorstellung schreiben die anderen auf, was ihnen beim ersten Eindruck positiv aufgefallen ist.
Wertschätzung.
Daggie sammelt die Zettel ein und überreicht sie alle zusammen der Person mit den Worten „Schön, dass es dich gibt.“
Dann wird der nächste gewählt.
An vierter Stelle bin ich an der Reihe.
Auch ich erhalte einen Stapel verschiedener Zettel. Direkt danach kommt schon das Essen.
Obwohl ich wahnsinnig neugierig bin, schiebe ich die Zettel unter meinen Teller und warte bis alle sich vorgestellt haben.
Nach und nach merke ich wie es anstrengender wird, etwas positives bei jedem Einzelnen zu finden.
Ich wollte es ja so.

Der Grund warum ich überhaupt dort hingehen wollte:
Wo ich auch bin, es gibt fast immer mindestens eine Person, die mir in den ersten zwanzig Minuten auf die Nerven geht. Auf Geburtstagen, in der Familie, bei der Arbeit, in der Bahn, einfach überall.
Also habe ich die Herausforderung darin gesehen, jedem anwesenden Fremden etwas Positives mitzuteilen.

Das über mich Geschriebene auf meinen siebzehn unterschiedlich großen, bunten Zetteln erfreut, amüsiert und verwundert mich.
Manchen ging es wohl ähnlich wie mir, wie ich hinterher in Gesprächen erfahre.
Auch mit mir.
Das ist ok.

Ich habe mich noch ein wenig unterhalten – über erste Eindrücke, Fotografie, Kunst und Vandalismus, Pistazieneis, subtile Beleidigungen und ansteckende Fröhlichkeit, sowie Blickwinkel – etwas länger die Kunst an den Wänden angesehen, ein halbes Glas Chardonnay getrunken.
Dann wollte ich weg.
Nach Hause.
Raus aus dem Sumpf.
Plötzlich fühlte sich alles und jeder irgendwie klebrig an.
Schwer.
Als ich mich verabschiedet habe, wurde es leichter.

Jetzt liege ich im Bett und frage mich was war das?

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Montagmorgen 8/52

„Ich möchte dich gerne sehen…“

So ein einfacher Satz.
Wann ich den zuletzt selbst gesagt habe, weiß ich ganz genau.
Was ich nicht weiß: wann genau habe ich diesen Satz das letzte Mal gehört?
Habe ich ihn überhaupt mal gehört?

Es gibt viele Arten, jemandem zu sagen, dass man einem wichtig ist, etwas bedeutet. „Fahr vorsichtig“, „iss deinen Apfel“, „Pass auf dich auf“,…
Ist es das gleiche bei dem Wunsch jemanden zu sehen?
Ein vorwurfsvolles „Du hast ja nie Zeit“ sagt doch am Ende das gleiche aus. 
Assoziiert man dadurch ein „Ich möchte dich gerne sehen…“ automatisch mit Negativem? Ist es nicht vielmehr eine schöne Aussage, als ein Vorwurf?

Ich freue mich darüber, wenn Menschen mit mir Zeit verbringen wollen.

Vermutlich vermisst mich niemand, weil ich immer so präsent bin.
Ich bin ja hier.

Obwohl niemand sagen kann, wie lange noch…
Ich schweife ab…

Tag 35

„Was schätzt du, in wieviele Augenpaare du heute geblickt hast?“
– gefunden bei maribey.

Ein Tag wie jeder andere und dann doch nicht.

Virtuelle Begegnungen, reelle Begegnungen.

Es klingelt.
Ich springe aus dem Bett und denke noch, dass der Postbote heute früh da ist… aber er ruft heute nicht „Post! Danke!“
Ich öffne die Tür einen Spalt und blicke ins Treppenhaus. Der Schornsteinfeger.

Hat er mir Glück gebracht?

Der Vormittag zieht sich dahin…
Ich finde einen mir unbekannten Blog. Treffe auf neue Worte, Sätze, Bedeutungen.
Ein Pseudonym, das mir begegnet. Die Bedeutung macht mich neugierig.
Lilium unter spinas –  Rose unter den Dornen.
Das ist wunderschön!

Dann ein Anruf, ein kurzes Treffen.
Die schönste Überraschung heute – das zweite Augenpaar in das ich blicke.
Ich versuche den Moment festzuhalten.

Aufwachen. Sehen. Einschlafen.
Ein schöner Tag.

Zwei weitere Augenpaare, die jedoch kaum zurück blicken.
Dennoch.
Vertraut.

Ja, er hat mir Glück gebracht – ohne dass ich ihm die Hand geschüttelt habe.

Manchmal gibt es keine Berührung.
Blicke.
Worte.
Nähe.
Nah sein.

Ein schöner, einfacher Tag…
und doch mit so viel Inhalt für mich…

Steine im Wind

Es gibt Tage an denen mein Kopf sich nicht entscheiden kann, ob er nun völlig überfüllt oder einfach nur leer ist.

Ich träume..
Ich laufe durch mir unbekannte Wälder und verlasse den Trampelpfad. Vor mir fallen Steine auf den Boden. Tänzelnd laufe ich über sie oder an ihnen vorbei.
Wohin führen mich meine Beine?
Tragen sie mich bis zum Ende?
Gibt es ein Ende?

Stille. Nur die Flügel der Schmetterlinge hört man schlagen.
Oder ist das der Wind? 

Machmal möchte ich gerne einen ganz normalen Alltag haben.
Doch dann ist es noch nicht kompliziert genug.
Ist das Chaos nur in meinem Kopf?
Warum dies, warum das?
Spielen die Antworten wirklich eine Rolle?
Ändert sich etwas, wenn ich die Antworten kenne? Verändert es mich?
Vermutlich nicht.

Und wenn doch immer Chaos ist – tatsächlich oder nur in meinen Gedanken – ist es dann nicht trotzdem eine Form von Alltag?

Die Schmetterlinge sind mit das Schönste am Frühling.
Dabei sind es doch auch nur Insekten.
Und sobald man ihre Flügel berührt, können sie nicht mehr fliegen…

Ich möchte sie anfassen.
Bitten zu bleiben.
Dann dreht sich der Wind…
…und die Steine fallen weiter.

Wann wache ich auf?

Montagmorgen 1/52

Es dauert manchmal endlos lange bis der Morgen erwacht.
Vier von Dreihundertsechsundsechzig.

Manchmal könnte ein Morgen viel länger dauern…
In der einen Stunde, in der ich mich im Bett herumwälze und auf das Klingeln meines Weckers warte, träume ich.
Ich träume von nackten, vom lachen bebenden Körpern und einem Morgen, der mir den Atem raubt.
Loslassen.
Einfach sein.
Ich träume davon, vom Leben überrascht zu werden, obwohl ich keine Überraschungen mag.
Positiv.
Negativ.
Was ist was?

Aufgewacht.
Eingeschlafen.
Geträumt.
Wach.
Nachgedacht.
Alles vermischt sich.
Was will ich überhaupt?
Was ist Traum und was Wirklichkeit?

Endlich klingelt der Wecker.
Der Tag beginnt.

Dröhnende Stille

Dritter Tag.
Es ist so verdammt still.

Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag einen Moment innezuhalten und meinen Gedanken zuzuhören.
Das ist gar nicht so einfach, denn die sind zuweilen überhaupt nicht still.

Seit zweieinhalb Stunden versuche ich zu schlafen. Mittlerweile hab ich Kopfschmerzen. Mein Kopf will platzen.
Bei dem ganzen Wirrwarr kann ich keinen Gedanken festhalten.
Worum geht es überhaupt?

‚Und wo ist der Wein geblieben….?‘ – frage ich mich während ich wieder zurück ins leere Bett krabbel…

Neues Jahr, altes Ich

Erster.
Wir fangen wieder von vorne an.
Das letzte Jahr hatte so viel Gutes. Ich habe viel erreicht und viel gelernt.
Vor allem über mich selbst.
Unbeschwertheit macht mir Spaß, Ungewissheit überhaupt nicht.
Ich mag Wein und ich liebe das Leben.
Mein Wohlbefinden ist nicht abhängig von anderen Menschen und ich kann alles schaffen – außer fliegen.

Manchmal möchte ich in Luft springen und einfach weg fliegen. Wie ein kleiner Schmetterling.
Also alles wie immer….
Nur die Farbe und Form der Fingernägel hat sich verändert.

Äußerlichkeiten, nichts als Äußerlichkeiten.
Also wieder von vorne.