Montagmorgen 10/52

Man sagt, nach dem Regen scheint die Sonne wieder besonders hell.

Heute ist wieder so ein Tag.
Ich bin traurig. Oder nicht?
Ich bin wütend. Oder nicht?
Eigentlich bin ich gar nichts.
Leer.
Nackt und leer.
Was geht in mir vor? Nix.
Ich versuche positiv zu denken, aber es langweilt mich.
Negativ langweilt mich auch.
Also höre ich auf damit.
Höre auf zu denken.
Morgen scheint sicher wieder die Sonne.
Ich glaube fest daran.
Und heute?

Vielleicht schaffe ich es noch in meinem Regen zu tanzen.

Montagmorgen 9/52

Faktor Zeit.

Andere Menschen lesen morgens eine Zeitung (oder mehrere), ich lese Blogs.
Nicht jeden Morgen, aber an solchen wie heute. Wenn ich meine Gedanken sortieren will. Oft hilft es mir wenn ich vorher einfach meine Gedanken auf etwas anderes bringe.
Heute morgen lese ich also die Artikel der Menschen, denen ich virtuell folge.
An dritter Stelle kam der letzte neue Beitrag von sinnsucht. Der Titel hat mich schon amüsiert und angelockt.
Weltuntergang.
(Ich weiß gar nicht wonach ich meine Titel immer aussuche.)
Worauf ich aber eigentlich hinaus will:
Die Kommentare!
Wenn der Artikel selbst mir schon sehr gefallen hat, interessieren mich auch immer die Kommentare darunter.

Ich habe neulich ein Comic-Bild gesehen: Zwei Menschen sitzen auf einer Bank. Die eine Person sagt: “Eines Tages werden wir sterben.” Die andere antwortet: “Aber bis dahin werden wir jeden Tag leben.”

Das mag ich.
Wie war das nochmal..? Frau B. 2.0 ?
Ich mag meine neue positive Einstellung!
Auf in die neue Woche…
Diese Woche möchte ich mir Zeit für mich nehmen. Mich zurück lehnen und einfach sein.

Tag 57 – Was war das?

Daggie hat wieder eingeladen.
Essen, trinken, lachen: Der Abend der guten Eigenschaften!

Knapp zwanzig Menschen haben sich um den Tisch in einem kleinen Kunstcafé versammelt. Jeder hat Zettel und einen Stift dabei.
Jemand steht auf und stellt sich vor. Währenddessen oder direkt nach der Vorstellung schreiben die anderen auf, was ihnen beim ersten Eindruck positiv aufgefallen ist.
Wertschätzung.
Daggie sammelt die Zettel ein und überreicht sie alle zusammen der Person mit den Worten „Schön, dass es dich gibt.“
Dann wird der nächste gewählt.
An vierter Stelle bin ich an der Reihe.
Auch ich erhalte einen Stapel verschiedener Zettel. Direkt danach kommt schon das Essen.
Obwohl ich wahnsinnig neugierig bin, schiebe ich die Zettel unter meinen Teller und warte bis alle sich vorgestellt haben.
Nach und nach merke ich wie es anstrengender wird, etwas positives bei jedem Einzelnen zu finden.
Ich wollte es ja so.

Der Grund warum ich überhaupt dort hingehen wollte:
Wo ich auch bin, es gibt fast immer mindestens eine Person, die mir in den ersten zwanzig Minuten auf die Nerven geht. Auf Geburtstagen, in der Familie, bei der Arbeit, in der Bahn, einfach überall.
Also habe ich die Herausforderung darin gesehen, jedem anwesenden Fremden etwas Positives mitzuteilen.

Das über mich Geschriebene auf meinen siebzehn unterschiedlich großen, bunten Zetteln erfreut, amüsiert und verwundert mich.
Manchen ging es wohl ähnlich wie mir, wie ich hinterher in Gesprächen erfahre.
Auch mit mir.
Das ist ok.

Ich habe mich noch ein wenig unterhalten – über erste Eindrücke, Fotografie, Kunst und Vandalismus, Pistazieneis, subtile Beleidigungen und ansteckende Fröhlichkeit, sowie Blickwinkel – etwas länger die Kunst an den Wänden angesehen, ein halbes Glas Chardonnay getrunken.
Dann wollte ich weg.
Nach Hause.
Raus aus dem Sumpf.
Plötzlich fühlte sich alles und jeder irgendwie klebrig an.
Schwer.
Als ich mich verabschiedet habe, wurde es leichter.

Jetzt liege ich im Bett und frage mich was war das?

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Montagmorgen 8/52

„Ich möchte dich gerne sehen…“

So ein einfacher Satz.
Wann ich den zuletzt selbst gesagt habe, weiß ich ganz genau.
Was ich nicht weiß: wann genau habe ich diesen Satz das letzte Mal gehört?
Habe ich ihn überhaupt mal gehört?

Es gibt viele Arten, jemandem zu sagen, dass man einem wichtig ist, etwas bedeutet. „Fahr vorsichtig“, „iss deinen Apfel“, „Pass auf dich auf“,…
Ist es das gleiche bei dem Wunsch jemanden zu sehen?
Ein vorwurfsvolles „Du hast ja nie Zeit“ sagt doch am Ende das gleiche aus. 
Assoziiert man dadurch ein „Ich möchte dich gerne sehen…“ automatisch mit Negativem? Ist es nicht vielmehr eine schöne Aussage, als ein Vorwurf?

Ich freue mich darüber, wenn Menschen mit mir Zeit verbringen wollen.

Vermutlich vermisst mich niemand, weil ich immer so präsent bin.
Ich bin ja hier.

Obwohl niemand sagen kann, wie lange noch…
Ich schweife ab…

Ziellos

Früher bin ich unheimlich gerne mit dem Fahrrad gefahren.
Ohne Ziel.
Einfach los.
Dann wurde mein Fahrrad geklaut.
Ich habe damals kurze Zeit später ein neues Fahrrad von meinen Eltern geschenkt bekommen.
Das wurde auch geklaut.
Danach wurde mir ein Damenrad angeboten. Ich mag aber keine Damenräder.
Ich bin keine Dame.
Ich bin ein kleiner Rebell.
Ich könnte im Fitnesscenter mit dem Rad fahren.
Strampeln ohne Ziel.
Aber ich hasse es zu strampeln ohne mich fortzubewegen.
Warum ich das im übertragenen Sinne jedoch immer mal wieder in meinem Leben mache, erschließt sich mir noch nicht….
Vielleicht weil ich ein Ziel habe.

Strampeln, immer weiter strampeln und keinen Meter voran zukommen, frustriert mich, wenn ich ans Ziel kommen will.

Schlusswort

Januar.

„Dann wirken Sie auch mal bedrohlich auf die Welt und die Welt nicht mehr auf Sie.“
– „…und die ist so bedrohlich!“
„Ich glaube, die war schon viel bedrohlicher als jetzt.“
– „…das war sie…“
„Vergessen sie das nicht!“

Februar.
Vier Wochen später.
Gleiche Zeit, gleicher Ort.

„Aushalten.“

Neues Jahr, altes Ich

Erster.
Wir fangen wieder von vorne an.
Das letzte Jahr hatte so viel Gutes. Ich habe viel erreicht und viel gelernt.
Vor allem über mich selbst.
Unbeschwertheit macht mir Spaß, Ungewissheit überhaupt nicht.
Ich mag Wein und ich liebe das Leben.
Mein Wohlbefinden ist nicht abhängig von anderen Menschen und ich kann alles schaffen – außer fliegen.

Manchmal möchte ich in Luft springen und einfach weg fliegen. Wie ein kleiner Schmetterling.
Also alles wie immer….
Nur die Farbe und Form der Fingernägel hat sich verändert.

Äußerlichkeiten, nichts als Äußerlichkeiten.
Also wieder von vorne.

Wolkenbaden

Fensterplatz. Nochmal Glück gehabt.
Ich bin gerne über den Wolken, wie mir gerade wieder auffällt.
Wolken sehen so unglaublich weich aus.
Ich möchte auf ihnen durch den Himmel laufen… der Sonne entgegen.
Durch die Wolken laufen und von einer zur anderen hüpfen.
Hier sieht alles friedlich aus.
Die Gedanken in Wolken baden macht mich glücklich!

Tausche Chaos gegen Alltag

Es beginnt jeden Tag auf’s Neue.
Ich stehe auf. Starte meinen Tag.
Nichtsahnend was mich heute tatsächlich erwartet.
Mein neuer Job macht mir Spaß und bisher bin ich anscheinend erfolgreicher als man von mir dachte.
Plötzlich rammt mich ein LKW auf der Autobahn.
Einmal mehr hab ich Glück im Unglück. Mein Bruder sagt, mein Schutzengel schläft nie. Vermutlich hat er sogar Recht. Mein Schutzengel möchte einfach nicht verpassen in welches Chaos ich nächstes schliddere.
Ich bin der Entertainer meines Schutzengels. Eine Soap ist ein Witz dagegen.
Was kommt als nächstes? Werde ich morgen endlich mal einen normalen Alltag erleben?
Meine Freundinnen finden das immer so spannend. Ich auch.

Der Anfang

Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird, zu leben. Marc Aurel.

„Schreib´ doch mal ein Buch!“ oder „Du solltest ein Buch schreiben!“ sagen sie zu mir. Ich dachte mir, fangen wir erst mal klein an….
Nachdem ich in den letzten Jahren mehrfach darüber nachgedacht habe, – voila – habe ich nun einen eigenen Blog.

Ich lebe, definitiv. Ich atme, esse, trinke und was ein lebender Mensch halt alles so macht. Hätte ich das ein oder andere Mal eine andere Abzweigung genommen, sähe heute alles anders aus. Aber bei wem ist das nicht der Fall.

Mit meinen einunddreißig Jahren fühle ich mich weder alt noch jung, viel mehr mittendrin. Mitten im Geschehen. Meine Zukunft plane ich selten ein Jahr im Voraus, denn wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass es eh alles anders kommt.
Vor ein paar Wochen hätte ich nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, dass ich heute mit einem Glas Rotwein und einer Zigarette vor meinem Notebook sitze und überlege mit welchen Zeilen ich meinen Blog eröffne.
Zukunft wird sowieso viel zu sehr überbewertet! Im Alter von siebzehn Jahren stellte ich mir vor, mit dreißig in einem schönen kleinen Haus zu wohnen. Mit einem Garten, der genau die gleiche Fläche hat, wie das Haus selbst. Dabei habe ich gar kein Händchen für Gartenarbeit. Bis vor ein paar Jahren kam meine Mutter immer wieder mit Pflanzen zu mir, die bei mir alle einen grausamen Tod gestorben sind. Ich müsste also einen Gärtner haben. Aber nicht irgendeinen Gärtner, nein, einen Gärtner wie aus der ersten Staffel von Desperate Housewives. So läuft das allerdings nur in amerikanischen Fernsehserien. Heute sitze ich in einer Eigentumswohnung mit Gemeinschaftsgarten und die Wohnung gehört nichtmal mir selbst, sondern meinen Eltern.
Sie haben diese Wohnung für mich gekauft, sagten sie. Für mich, damit ich nicht aus diesem kleinen Dorf weg ziehe.
Na gut, wenn sie so nett sind, dann bleib ich halt. In einem Dorf, in dem jeder über jeden alles weiß oder glaubt zu wissen und keiner den anderen wirklich kennt. Das ist jedoch nur meine Sichtweise. Viele sind auch miteinander verwandt – manchmal denke ich vier fünftel der Einwohner sind ein riesiger Familien-Clan. Die Familien, die nicht miteinander verwandt sind, heiraten sich einfach zusammen. Und schon entsteht ein noch riesiger Haufen.
Ich war schon immer hier. Jedenfalls fühlt es sich so an. Die Ureinwohner wissen allerdings, dass ich ein Immi bin. Wahrscheinlich schon alleine aus dem Grund, dass ich hier nicht alle meine Verwandten um mich herum habe.
Ein Haus möchte ich heute nicht mehr haben. Ich möchte mir das Gefühl erhalten gehen zu können. Der Gedanke „egal wo du gerade bist – du musst dort nicht bleiben“ beruhigt mich irgendwie.