Tag 43

Wenn mich jemand sucht – ich befinde mich im Wandel.

Daggie erzählte mir heute, dass sie ihre Freunde immer etwas fragt, wenn sie über einen längeren Zeitraum zum wiederholten Male von dem gleichen Problem erzählen. Sie fragt dann: „Willst du dein Problem lösen oder es zelebrieren?“

Diese Frage ging mir durch und durch.

Wer ist eigentlich Daggie…
Ich glaube, diese Frau gehört zu jenen Personen, welche einfach so etwas in mir verändern.
Ich nehme etwas mit von einem Abend mit zehn mir völlig fremden Menschen.

Daggie hat heute Abend zu sich eingeladen. Neben mir eben diese acht weiteren Menschen. Zwei Ehepaare (ein junges Paar und ein älteres Paar), eine Frau und einen (Feuerwehr)Mann jeweils ungefähr in meinem Alter, zwei ältere Männer und eine Frau Mitte vierzig. Wir alle haben uns heute zum ersten Mal gesehen.
Daggie hat Linsensuppe gekocht und es gab Brot, Wasser und Rotwein dazu.
Nach dem Essen haben wir uns der Reihe nach vorgestellt und jeder hat nur das von sich erzählt, was er wollte. Es gab keine Regeln.
Danach haben wir eine Stunde und einundreißig Minuten den Film ‚the secret‘ geguckt und uns alles zu dem Gesetz der Anziehung angehört.
Nach dem Film haben wir wieder im Kreis um den alten Holztisch gesessen und darüber diskutiert.
Als der Feuerwehrmann nicht mehr aufhören wollte zu reden, wurde es für mich Zeit zu gehen.

In der Bahn hat sich ein junger Mann über mein Lächeln gefreut. Erst dann ist mir selbst aufgefallen, dass ich lächle.
Einfach so.

Was will ich überhaupt?
Ich will dankbar sein.
Ich will positiv denken.
Und ich möchte die Priorität sein, nicht die Option.

Montagmorgen 4/52

Es geht mir gut.
Ich bin gesund.

Okay.. hier und da ein paar Wehwechen. Aber: Ich habe beide Arme und Beine. Ein paar Augen und Ohren. Ein Gehirn ohne erkennbaren Schaden – obwohl es hier sicher Menschen gibt, die das anders sehen.
Zehn Finger, zehn Zehen. Moment… ich zähl nochmal nach…
Ja! Alles da.
Funktioniert auch noch alles gut genug.
Alle Organe sind vorhanden. Jedenfalls sehe ich keine Narben, die einen anderen Schluss zulassen.
Es geht mir gut.

Meine Tochter ist kerngesund, quickfidel, frech, intelligent, eloquent, wild und manchmal sogar unbeschwert.
Es geht mir gut.

Meiner Familie geht es gut. Ich mag sie nicht immer, aber ich liebe sie.
Und ich kann es ihnen noch immer sagen. Genau so.

Ich habe eine tolle Wohnung und auch wenn ich umziehen möchte, so bin ich nicht gezwungen.
Mir gefällt mein neuer Job und ich freue mich, bin gespannt, auf meine berufliche Zukunft.
Es geht mir gut.

Nach dem Schlafen kann ich aufstehen. Einfach so.
Am Wochenende kann ich auch den ganzen Tag im Bett bleiben. Weil ich es so möchte, nicht weil ich nicht anders kann.
Es geht mir gut.

Die meisten Menschen, die mich umgeben, tun mir gut.
Menschen machen mir nicht mehr so viel Angst.
Fremde Menschen kann ich anlächeln.
Einfach so.

Wie ich darauf gekommen bin, hab ich wieder vergessen. Egal.
Einfach mal glücklich sein.
Es geht mir gut.

Und wenn nicht…?
Vor nun fast fünf Jahren, sagte man mir:
„Stellen Sie sich das Leben wie das Meer vor. Wenn ein Tief kommt, dann ist das nur eine Welle. Halten Sie sie aus. Sie geht vorbei.“

In meinen Worten:
Nach dem Regen kommt der Sonnenschein. Immer.

Und ist nicht auch der Regen wichtig?
Ying und Yang.

Mir egal, ob es regnet oder ob heute Montag ist oder beides zusammen.
Montage sind toll – ich wurde an einem geboren.
Montags hat man immer die Chance einen grandiosen Grundstein für eine überragende Woche zu legen.

Es ist immer alles eine Frage der Draufsicht.

Es geht mir gut.
Das Leben ist schön.

Und wie geht es dir?

Montagmorgen 3/52

Die großen Leute lieben nämlich Zahlen. Wenn ihr euch über einen neuen Freund unterhaltet, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen dich nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie wollen lieber wissen: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater?« Erst dann werden sie glauben, ihn zu kennen. Der kleine Prinz

Der 18. Januar war im Jahr 2002 ein Freitag.
Um 20:54 Uhr wurde ein kleines Mädchen geboren.
Mein Mädchen.
Der Klang ihrer Stimme ist weich, aber nicht immer sanft.
Sie lacht so gerne.
Schmetterlinge sammelt sie nicht…

Heute vor vierzehn Jahren war der schönste Tag meines Lebens.

Festhalten

Das Karussell hält niemals.

Heute hatte ich das erste Mal seit Jahren das Gefühl eine Panikattacke zu bekommen.
Und am Ende des Tages höre ich aus dem Fernseher „Das Karussell hält niemals.“.
Das heisst, man dreht sich unaufhörlich weiter und bleibt doch auf der selben Stelle.
Ist das so?
Vielleicht bedeutet es auch einfach, dass wir manchmal nur abwarten müssen, bis die Situation vorbei ist und man sich weiter gedreht hat. Kommt man das nächste mal vorbei, hat sich der eigene Blickwinkel womöglich schon längst verändert.
Ich werde es herausfinden. Ich lasse mich mal weiter drehen…
Einatmen. Ausatmen.

„Wie sieht Ihr Konzept aus?“
„Hatten Sie jemals das Gefühl, ich hätte ein Konzept?!“
„Vielleicht ist das der Haken.“

Das Karussell dreht sich.
Mein Plan: Nicht herunterfallen!

Tausche Chaos gegen Alltag

Es beginnt jeden Tag auf’s Neue.
Ich stehe auf. Starte meinen Tag.
Nichtsahnend was mich heute tatsächlich erwartet.
Mein neuer Job macht mir Spaß und bisher bin ich anscheinend erfolgreicher als man von mir dachte.
Plötzlich rammt mich ein LKW auf der Autobahn.
Einmal mehr hab ich Glück im Unglück. Mein Bruder sagt, mein Schutzengel schläft nie. Vermutlich hat er sogar Recht. Mein Schutzengel möchte einfach nicht verpassen in welches Chaos ich nächstes schliddere.
Ich bin der Entertainer meines Schutzengels. Eine Soap ist ein Witz dagegen.
Was kommt als nächstes? Werde ich morgen endlich mal einen normalen Alltag erleben?
Meine Freundinnen finden das immer so spannend. Ich auch.

Der Anfang

Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird, zu leben. Marc Aurel.

„Schreib´ doch mal ein Buch!“ oder „Du solltest ein Buch schreiben!“ sagen sie zu mir. Ich dachte mir, fangen wir erst mal klein an….
Nachdem ich in den letzten Jahren mehrfach darüber nachgedacht habe, – voila – habe ich nun einen eigenen Blog.

Ich lebe, definitiv. Ich atme, esse, trinke und was ein lebender Mensch halt alles so macht. Hätte ich das ein oder andere Mal eine andere Abzweigung genommen, sähe heute alles anders aus. Aber bei wem ist das nicht der Fall.

Mit meinen einunddreißig Jahren fühle ich mich weder alt noch jung, viel mehr mittendrin. Mitten im Geschehen. Meine Zukunft plane ich selten ein Jahr im Voraus, denn wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass es eh alles anders kommt.
Vor ein paar Wochen hätte ich nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, dass ich heute mit einem Glas Rotwein und einer Zigarette vor meinem Notebook sitze und überlege mit welchen Zeilen ich meinen Blog eröffne.
Zukunft wird sowieso viel zu sehr überbewertet! Im Alter von siebzehn Jahren stellte ich mir vor, mit dreißig in einem schönen kleinen Haus zu wohnen. Mit einem Garten, der genau die gleiche Fläche hat, wie das Haus selbst. Dabei habe ich gar kein Händchen für Gartenarbeit. Bis vor ein paar Jahren kam meine Mutter immer wieder mit Pflanzen zu mir, die bei mir alle einen grausamen Tod gestorben sind. Ich müsste also einen Gärtner haben. Aber nicht irgendeinen Gärtner, nein, einen Gärtner wie aus der ersten Staffel von Desperate Housewives. So läuft das allerdings nur in amerikanischen Fernsehserien. Heute sitze ich in einer Eigentumswohnung mit Gemeinschaftsgarten und die Wohnung gehört nichtmal mir selbst, sondern meinen Eltern.
Sie haben diese Wohnung für mich gekauft, sagten sie. Für mich, damit ich nicht aus diesem kleinen Dorf weg ziehe.
Na gut, wenn sie so nett sind, dann bleib ich halt. In einem Dorf, in dem jeder über jeden alles weiß oder glaubt zu wissen und keiner den anderen wirklich kennt. Das ist jedoch nur meine Sichtweise. Viele sind auch miteinander verwandt – manchmal denke ich vier fünftel der Einwohner sind ein riesiger Familien-Clan. Die Familien, die nicht miteinander verwandt sind, heiraten sich einfach zusammen. Und schon entsteht ein noch riesiger Haufen.
Ich war schon immer hier. Jedenfalls fühlt es sich so an. Die Ureinwohner wissen allerdings, dass ich ein Immi bin. Wahrscheinlich schon alleine aus dem Grund, dass ich hier nicht alle meine Verwandten um mich herum habe.
Ein Haus möchte ich heute nicht mehr haben. Ich möchte mir das Gefühl erhalten gehen zu können. Der Gedanke „egal wo du gerade bist – du musst dort nicht bleiben“ beruhigt mich irgendwie.